WORUM GEHT ES?

GESCHÄFTSMODELLE FÜR SUFFIZIENTE FREIZEITMOBILITÄT

Die Freizeitmobilität hat in der Schweiz den höchsten Anteil am Gesamtverkehr. Vor allem im Flugverkehr, der hierzulande für 18% des Treibhausgasausstosses verantwortlich ist, wurde in den letzten Jahren eine massive Zunahme beobachtet. Andererseits zeigen jüngere Erhebungen zum Reiseverhalten, wie beispielsweise das TCS Reisebarometer, dass immer mehr Menschen Destinationen in der Schweiz und den Nachbarländern bevorzugen.

Innerhalb dieses Spannungsfeldes hat sich die Mobilitätsakademie des TCS mit dem Projekt „bleib hier“ zum Ziel gesetzt, bis im Sommer 2022 neue, suffiziente Geschäftsmodelle in der Freizeitmobilität zu entwickeln. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie wir mit weniger Verkehr unsere Freizeit- und Reisetätigkeit persönlich erfüllend und ökonomisch sinnvoll gestalten können.

Die Entwicklung dieser Geschäftsmodelle orientiert sich an den drei folgenden Suffizienzdimensionen:

  • Entschleunigung („langsamer“): Infragestellung unserer hochbeschleunigter Lebensstile, „Langsamverkehr“ als ressourcenschonende und erlebnisreiche Form des Reisens
  • Entmaterialisierung („leichter“): genügsamer Umgang im Konsum von Gütern und der Nutzung von Infrastrukturen, Reduktion des Materialaufwands sowohl fahrzeug- als auch infrastrukturseitig
  • Entflechtung („lokaler“): Mobilität der kurzen Wege, Regionalisierung von Wertschöpfungsketten

Mit «Bleib Hier» verfolgen wir das Ziel, in einem verstärkt effizienz- und konsistenzgetriebenen Verkehrssektor, Suffizienzdenken und -handeln stärker zu verankern. Haupt-Partner des Projektes sind der TCS, das Bundesamt für Raumentwicklung ARE, das Bundesamt für Energie mit seinem Programm energieschweiz, der Kanton Bern (Immissionsschutz) und die Stadt Bern (Amt für Umweltschutz).

Camping Baumzelt bleib hier
Camping Glamping bleib hier

WIE GEHEN WIR VOR?

Für die Entwicklung der Angebotsprototypen und der Geschäftsmodelle setzen wir auf einen „Design Thinking“ Ansatz. „Design Thinking“ ist eine Methode zur Entwicklung von neuen Ideen und zum Lösen von bestehenden Problemen, der ursprünglich aus dem Bereich des Industrie-Designs kommt. Der Methode liegt die Annahme zu Grunde, dass der kreative Prozess „designt“ werden kann und Innovation durch direkte Beobachtung angetrieben wird, was die Menschen in ihrem Leben wollen und brauchen.

In einer ersten Phase des Projektes stand der Erkenntnisgewinn über pionierhafte Freizeitmobilitätsmuster und die aktuellen Trends in Bereich Freizeit und Tourismus im Vordergrund. Dazu wurden zahlreiche Experteninterviews durchgeführt und Personen aus dem „Pionier-Milieu“ zu ihrem Freizeitverhalten befragt.

In einem zweiten Schritt wurden die Erkenntnisse aus der ersten Phase reflektiert und daraus die folgenden Handlungsfelder für die Angebotsprototypen herausgeschält:

    1. Vermittlung von persönlichen Dienstleistungen für die Ferien zu Hause
    2. Mikroabenteuer
    3. alternative Campingmöglichkeiten in der Region.

Anlässlich eines Workshops mit Experten und Privatpersonen wurden ausgehend von idealtypischen Nutzerinnen und Nutzer in diesen Bereichen erste Angebotsideen entwickelt.

Aus diesen Ideen sind einfache aber funktionsfähige Angebotsprototypen entstanden, welche während der Sommermonate 2020 getestet wurden. Die getesteten Angebote sind alle unter „Angebote" aufgeschaltet. Die meisten davon können nach wie vor gebucht werden.

Auf Basis der Erkenntnisse aus der ersten Testphase werden die Angebotsideen aktuell in einer weiteren Design-Thinking-Iterationen weiterentwickelt. Ab dem Sommer 2021 werden wir in den folgenden Themenbereichen weiterentwickelte und neue Angebote erproben:

Die neuen Angebote sind hier aufgeschaltet.

Kooperation mit myclimate

Bereits seit letztem Sommer 2020 haben wir in Zusammenhang mit der von myclimate durchgeführten #hierundhappy-Aktion eine Kooperation zwischen dem Projekt "bleib hier" und "hierundhappy" gestartet, welche beide vom Bundesamt für Energie über das Programm EnergieSchweiz unterstützt werden. Wir möchten die Chance nutzen und die Ziele und Inhalte der beiden Projekte "bleib hier" und "hierundhappy" in einem gemeinsamen Projekt verknüpfen. 

Myclimate hat unsere Design Thinking Methode von "bleib hier" für die Erarbeitung von Ferienangeboten in der Schweiz auf eine jüngere Zielgruppe (14- bis 25-Jährige) ausgeweitet und ist dies nun mit mehreren Schulklassen von Gymnasien und Berufsschulen am Durchlaufen. Das Ziel ist es einerseits herauszufinden, was sich die Jugendlichen für Reisen in der Schweiz wünschen und anderseits was sie dazu motivieren würde, vermehrt Ferien in der Schweiz zu verbringen. Diese Wünsche und Voraussetzungen verarbeiten die Jugendlichen anschliessend zu einem Angebotsprototyp zum Thema "Abenteuer in der Schweiz", welches wir in unsere Prototypenentwicklung von "bleib hier" einfliessen lassen werden.